Ein Mensch ist kein ehemaliger Trockennasenprimat, eine Zitrone ist kein Butterschmalz und ein Blau ist kein Rot. Kunst ist nicht (politische) Kritik, ist nicht reine Kommunikation und ist nicht bildgewordene Erkenntnis. (Politische) Kritik ist Kritik, Kommunikation ist Kommunikation und Erkenntnis ist Erkenntnis. Punkt.

 

Es scheint mir nicht alles zu sein, einen Begriff zu haben, wie den der Kunst, und der Versuchung nachzugeben, ihn in einem anderen Begriff aufzulösen. Als lebendige Menschen gestehen wir und in Demut, aber in Würde ein, dass wir keine Ahnung haben was eigentlich wirklich für uns als Menschen auf diesem Planeten zu tun ist. Wir wissen ja nicht einmal, wo wir jede Nacht sind während wir schlafen. Diese unsere Unsicherheit greift nach Sicherheit und Sicherheit erzeugt den Verlust an Kraft.

 

Ich weis nicht, was Kunst ist, aber ich weis, das in der Sprache kein anderer Begriff existiert der in gleicher Weise kraftvoll ist, während er geheimnisvoll bleibt. Daran ändern auch sämtliche "Kunst- ist...- Definitionen" nicht das Geringste.

 

Wenn ich also einst aus einer Zitrone Butterschmalz machen kann, dann werd ich wissen was (meine) Kraft ist, was (meine) Kunst ist. Ich weis nicht, wie ich das anstellen sollte, aber ich kenne den Ort, an dem Zitronen entstehen, auch Butterschmalz und alles andere vom Anderen. Die Arbeit, die ich habe, und die Arbeit, die ich bin, erinnert mich an ein Geheimnis über das Leben. Ich erlebe dieses Geheimnis als ein gut verhülltes Versprechen. Ein Versprechen das seine Erfüllung verspricht, kein Versprechen das seine Erfüllung einlösen wird. Aber ich weis es nicht.

 

An ein Geheimnis zu erinnern bedeutet nicht es zu kennen, und ein Geheimnis vergessen zu haben schließt die Erinnerung daran nicht aus.


Ausstellungstext GRENZEN

 

Die Tatsache, das du nach diesem Blatt Papier gegriffen hast, zeigt dir schon am eigenen Leib das Thema Grenzen.

 

Warum? Weil du dich entschieden hast, hier zu sein, einen Weg zu gehen aus dir heraus, sich zu bewegen bedeutet Grenzen zu übertreten: eigene, andere und Kollektive. Du weisst, das du zu deinem Leben ständig Neues hinzu nimmst, während und nachdem du dieses Neue mit deinem bisherigen Weltbild abgeglichen hast.

 

Du hast nach diesem Blatt Papier gegriffen, weil dein "Verstehen" seine Grenzen hat und auch kennt. Die Bereitschaft, sich Kunst- Dingen gegenüberzustellen erfordert Mut. Unser menschliches, begrenztes Verstehen eines Themas zieht uns (vor einem Kunstprodukt) in eine Welt, die keine Grenzen hat, keine Grenzen kennt. In eine Welt der Übergänge. Du bist dem Thema dieser Ausstellung nicht nur unmittelbar nah, du selbst bist das Thema dieser Ausstellung.

 

Was möchte ich zum Thema Grenzen in meinen Bildern sagen?

 

Ich sagte, du selbst bist Thema dieser Ausstellung, Nicht mehr und nicht weniger. Zu Malen bedeutet für mich, mit der Logik an Grenzen zu gelangen, die mich die Grenzenlosigkeit berühren lassen. Erfassen kann ich diese Grenzenlosigkeit nicht, Leben kann ich sie nicht, wie es Tannhäuser in Wagners Oper besingt, aber durch die Oberfläche der Bilder scheint sie durch: die Grenzenlosigkeit ist der Inhalt der Grenze.

 

Was möchte ich zu meinen Bildern sagen?

 

Ich sagte, zu Malen ist gleichermaßen Grenzenlosigkeit und Grenze für mich. Das bezieht sich auch auf den Inhalt der Bilder nicht nur auf deren Wirkung. Ich denke mir zwar meine Bilder aus, erarbeite sie und führe sie aus und ich finde weiters das denken nicht aus reinem Denken besteht und sage deshalb: Ich sehe meine eigene Arbeit nicht vollständig ein, erkenne sie nicht ganz und gar. Alle meine Bilder sind also entstanden aus dem Eingeständnis heraus das ich selbst sehr viele Begrenzungen habe.

 

Was wollen meine Bilder von dir?

 

Meine hier ausgestellten Arbeiten wollen in dir zu Gedanken werden, zu Gesprächen, zu Worten, zu Taten. Sie möchten durch dich lebendig werden, von dir, durch dein Bewusstsein belebt werden.

 

Lisa Kogler

 


Ausstellungstext WEITERGEHEN HIER GIBTS NICHTS ZU SEHEN

 

Unser Ausstellungstitel verkehrt sich ganz von selbst in sein eigenes Gegenteil. Ein Kippbild entsteht. Ein Bild das sich niergens festmachen lässt. Eben sich nicht so festmachen lässt, wie die Nase im Gesicht festgemacht ist.

 

Kein Bild will ich sein!

In einem Zustand zwischen liegen- bleibendem Aufstehen und aufstehendem- liegenbleiben befinde ich mich. Keiner, der beiden Eindrücke scheint gelungen zu sein. Keiner, der beiden Eindrücke scheint eindeutig beabsichtigt, so das sich der andere zweifelsfrei ausschliessen lassen würde. Dennoch bleibt das Gefühl erhalten, das sich liegend oder stehend, rein gar nichts verändern würde.

 

Liegenbleiben kann ich nicht, aufstehen kann ich nicht. Dort wo es etwas zu tun gibt, gibt es nichts zu sehen, und nur dort wo es etwas zu sehen gibt, gibt es rein gar nichts zu tun!

 

Die Nase in meinem Gesicht:

Diese Arbeit verheißt auf die Augen und die Bewegung der Augen in zusammengefassten Zeitmomenten. Beim Blick nach oben erkenne ich die oberen Augenhöhlen, beim Blick nach unten wird mir der Rand der unteren Augenhöhle und die Nase selbst sichtbar. Ein einäugiger Blick führt mich zu diesen halbdurchsichtigen Verlängerungen des Nasenrückens. Diese Nase, die in jedes meiner Bilder ragt, in jeder einzelnen Weltwahrnehmung präsent ist, Auffassungsbestandteil von allem ist, aber von meinen Augen erstaunlicherweise sehr oft unbeachtet bleibt. Keine Kamera auf dieser Welt kann mir die eigene Nase zu meinen Lebzeiten so zeigen wie ich sie mein Leben hindurch durch meine eigenen Augen betrachten darf.

 

Kanalisation:

Ich verlass mich drauf, das das, was mich verlässt mich was angeht. Ich verlass mich aber nicht drauf, dass dort, wo meine Füße beginnen, mein Handlungsspielraum endet. 

 

Ich weis, es gibt einen Ort, an dem es wirklich nichts zu sehen gibt. Das ist aber kein Ort, weil es dort, wo er sich befindet, nicht mal ein dort gibt. Hier gibt es auch gar kein gibt und das Gegenteil von gibt gibt es auch nicht. Es gibt kein nicht und kein Nichts an diesem wortlosen Ort der kein Ort sein kann. Kein Sehen und kein Nichtsehen. Kein einziges Wort, keinen Ausdruck. Kein Bild.

 

Der Ton kommt aus der Stille, die Form aus der Formlosigkeit und Handlungsfähigkeit kommt durch Handlungsunfähigkeit zu Stande.

 

Lisa Kogler